Berlin, 26. Mai 2026
(Bild: Melanie Liersch) Rechtliche Probleme seit Jahren bekannt – Soldatinnen und Soldaten dürfen nicht die Leidtragenden sein
Nach verschiedenen Informationen und derzeit innerhalb der Bundeswehr diskutierten Anpassungen zeichnet sich zunehmend ab, wie tiefgreifend die Veränderungen bei der Beförderungssystematik der Feldwebellaufbahnen ausfallen könnten.
Der angekündigte Ordnungshalt bei Beförderungen zum Stabsfeldwebel beziehungsweise Stabsbootsmann sowie die Anpassung gebündelter Dienstposten sind bereits öffentlich kommuniziert worden. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen erst der Beginn deutlich umfassenderer Veränderungen innerhalb der Feldwebel- und Bootsmannlaufbahnen sind. Im Mittelpunkt steht dabei weiterhin das verfassungsrechtliche Leistungsprinzip aus Artikel 33 Absatz 2 Grundgesetz. Beförderungen dürfen demnach nicht überwiegend an starre Mindestdienstzeiten geknüpft werden, sondern müssen sich stärker an Eignung, Befähigung und Leistung orientieren. Damit verändert sich jedoch nicht nur ein einzelnes Beförderungsverfahren. Vielmehr zeichnet sich ein grundlegender Umbau der bisherigen Karriere- und Förderlogik innerhalb des Feldwebelkorps ab.
Diese Entwicklung fällt zudem in eine Phase, in der die Bundeswehr ihre Personal- und Organisationsstruktur im Rahmen der Verteidigungsaufstellung ohnehin neu ausrichtet. Die notwendige Neuordnung der Feldwebel- und Bootsmannlaufbahnen kommt damit nicht isoliert hinzu, sondern trifft auf einen bereits laufenden umfassenden Strukturumbau. Dienstpostenstrukturen, Verwendungsaufbau, Personalentwicklung und Laufbahnplanung müssen nun unter veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen neu zusammengedacht werden.
In diesem Zusammenhang dürften dienstliche Beurteilungen, Verwendungsbreite und sogenannte förderliche Verwendungen künftig deutlich stärker an Bedeutung gewinnen. Vieles spricht zudem dafür, dass der Dienstgrad Stabsfeldwebel beziehungsweise Stabsbootsmann künftig wieder deutlich stärker als herausgehobene Auswahl- und Förderstufe verstanden werden soll. Gerade für langgediente Hauptfeldwebel und Hauptbootsleute entsteht dadurch eine völlig neue Ausgangslage.
Viele Soldatinnen und Soldaten haben ihre gesamte Laufbahn auf Grundlage des bisherigen Systems geplant und gestaltet. Für zahlreiche erfahrene Portepeeunteroffiziere standen bislang vor allem langjährige Bewährung, Erfahrung und stabile Verwendungsaufbauten im Vordergrund – nicht die dauerhafte Konkurrenz um Spitzennoten oder förderliche Verwendungen.
Genau hier sieht der VSB die eigentliche Problematik:
Soldatinnen und Soldaten haben ihr gesamtes Karriereverhalten an einem System ausgerichtet, das der Dienstherr selbst geschaffen hat – und sollen nun kurzfristig die Auswirkungen einer grundlegenden Systemumstellung tragen. Für viele erfahrene Hauptfeldwebel und Hauptbootsleute entsteht dadurch erstmals echte Unsicherheit hinsichtlich ihrer weiteren Laufbahnperspektive. Damit stellen sich auch Fragen hinsichtlich regionaler Verwendungen, Familienplanung, langfristiger Perspektiven und der Vereinbarkeit von Dienst und Privatleben.
Die diskutierten Veränderungen betreffen dabei nicht nur einzelne Beförderungsverfahren. Sie könnten langfristig auch Führungsstrukturen, Laufbahnarchitektur und das Selbstverständnis innerhalb der Feldwebellaufbahnen verändern.
Aus Sicht des VSB wird die Bundeswehr mittelfristig auch die Frage beantworten müssen, wie sich eine grundlegende Neuordnung der Laufbahnen auf die bestehende Besoldungsstruktur auswirkt.
Gerade in Zeiten personeller Belastung und des politischen Anspruchs, erfahrenes Personal langfristig zu binden, werfen diese Entwicklungen viele Fragen auf.
Die Bundeswehr braucht Motivation, Vertrauen, Verlässlichkeit und planbare Karrierewege. Leistungsgerechtigkeit und transparente Auswahlentscheidungen sind dafür unverzichtbar – ebenso aber auch nachvollziehbare Übergangsregelungen und Sensibilität für die Situation langgedienter Soldatinnen und Soldaten.
Der VSB wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und weiterhin über mögliche Auswirkungen für Soldatinnen und Soldaten informieren. (ML)
Wir bleiben dran.
Miteinander – Füreinander
Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V.
Bereits veröffentlichte Beiträge des VSB zur Thematik:
