Berlin, 15. Februar 2026
(Foto: M.L.) Der Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB) weist auf die wachsende Bedeutung eines Gender Advisors in modernen Streitkräften hin. Angesichts veränderter Einsatzrealitäten, hybrider Konflikte und der Erfahrungen aus aktuellen Kriegen rückt diese Funktion zunehmend in den Fokus militärischer Führung und sicherheitspolitischer Debatten.
Ein Gender Advisor unterstützt militärische Entscheidungsträger dabei, die Auswirkungen militärischen Handelns auf unterschiedliche Personengruppen systematisch zu analysieren und in Lagebeurteilungen sowie Einsatzplanungen einzubeziehen. Dabei geht es nicht um gesellschaftspolitische Symbolik, sondern um operative Effektivität: um den Schutz eigener Kräfte, um realistische Lagebilder und um belastbare Führungsentscheidungen in komplexen Konfliktlagen.
Der Krieg in der Ukraine macht deutlich, wie stark moderne Kriegsführung von Faktoren geprägt ist, die über klassische Gefechtslagen hinausgehen. Gewalt, Machtmissbrauch, Gefangenenlagen, sexualisierte Übergriffe und extreme psychische Belastungen betreffen Kombattanten und Kombattantinnen ebenso wie Zivilisten und Zivilistinnen und wirken sich unmittelbar auf Moral, Disziplin und Durchhaltefähigkeit aus. Diese oftmals geschlechtsspezifischen Aspekte sind Teil der Einsatzrealität und müssen entsprechend berücksichtigt werden.
International, insbesondere innerhalb der NATO, wurden aufgrund dieser Erkenntnisse bereits vor Jahren Folgerungen im Hinblick auf die Notwendigkeit einer entsprechenden Fachberatung abgeleitet. In der NATO selbst und auch in mehreren Partnernationen sind Gender Advisor fest in Führungs- und Stabsstrukturen eingebunden und unterstützen strategische, operative und taktische Entscheidungsprozesse. Sie gelten dort als selbstverständlicher Bestandteil moderner militärischer Führung.
Auch in der Bundeswehr gibt es erste Ansätze. Aktuell ist ein Gender Advisor im Operativen Führungskommando eingesetzt. Dieser Pilot stellt einen wichtigen Schritt dar und zeigt, dass die Bundeswehr sich mit der Thematik befasst. Zugleich verdeutlicht der aktuelle Zuschnitt, dass sich diese Fähigkeit noch im Aufbau befindet und ihre Wirkung maßgeblich von klaren strukturellen Rahmenbedingungen abhängt.
Ein Gender Advisor liefert keine politischen Botschaften, sondern militärisch relevante Einordnungen. Er hilft dabei, Risiken sowohl für unsere Soldatinnen und Soldaten als auch für die Zivilbevölkerung realistisch zu erkennen und Führungsentscheidungen unter den Bedingungen moderner Konflikte belastbarer zu machen“, erklärt Melanie Liersch, stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Soldaten der Bundeswehr.
Der VSB begrüßt die Fortschritte in diesem Gebiet ausdrücklich und spricht sich dafür aus, diese systematisch auszuwerten und weiterzuentwickeln. Ziel sollte es sein, militärische Führung ganzheitlich aber insbesondere auch die Truppe, realitätsnah und verantwortungsvoll zu unterstützen. (M.L.)
