Berlin, 17. September 2026
(Foto: M.L.) Wer die Bundeswehr kennt und die Entwicklung der vergangenen Monate aufmerksam verfolgt hat, konnte früh erkennen, dass die personellen Herausforderungen größer werden würden, als es die öffentliche Kommunikation lange vermuten ließ. Im VSB wurde deshalb schon seit Längerem kritisch gesehen, ob die Brigade Litauen auf Dauer überwiegend freiwillig besetzt werden kann und ob der neue Wehrdienst tatsächlich den erhofften personellen Aufwuchs bringt.
Bei der Brigade Litauen wurde durch das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) von Beginn an stark, fast ausschließlich auf Freiwilligkeit gesetzt. Inzwischen zeigt sich, dass verpflichtende Versetzungen notwendig werden. Auch beim neuen Wehrdienst gibt es zwischen angeschriebenen jungen Menschen, Interesse, Eignung und tatsächlichem Dienstantritt deutliche Ablagen.
Beides kommt nicht überraschend.
Gleichzeitig fehlt Personal schon heute an vielen Stellen. Die Brigade Litauen muss aufgestellt und dauerhaft personell getragen werden. Diese Kräfte fehlen im Inland oder müssen dort ersetzt werden. Zusätzliche Wehrdienstleistende bringen zwar neues Personal, müssen aber zunächst ausgebildet, geführt und betreut werden – und binden damit wiederum erfahrenes Personal.
Dazu kommen weitere offene Baustellen: der Beförderungsstopp in der Feldwebellaufbahn, ungelöste Fragen bei der amtsangemessenen Alimentation und eine Personalstruktur, die bereits heute stark belastet ist.
Alles gehört zusammen.
Für den VSB ist klar: Der Auftrag muss erfüllt werden. Wenn Kräfte gebraucht werden, werden Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst leisten. Das war immer so und wird auch künftig so sein.
Gerade deshalb erwarten die Soldatinnen und Soldaten, dass mit ihnen offen gesprochen wird und keine „falschen Versprechungen“ gemacht werden.
Wenn Freiwilligkeit voraussichtlich nicht reichen wird, muss das frühzeitig gesagt werden. Wenn Personalziele schwer erreichbar sind, gehört auch das offen auf den Tisch. Und wenn Entscheidungen absehbar Folgen für Versetzungen, Familien, Karrierewege und die Belastung anderer Bereiche haben, darf darüber nicht erst gesprochen werden, wenn die Maßnahmen bereits notwendig oder angewiesen geworden sind.
Die Bundeswehr braucht nach der Zeitenwende nicht nur mehr Personal und Material. Sie braucht auch mehr Klarheit in der Kommunikation.
Der VSB erwartet deshalb von politischer und militärischer Führung eine frühzeitige und realistische Darstellung der Lage – auch dann, wenn diese unbequem ist.
Soldatinnen und Soldaten können mit schwierigen Entscheidungen umgehen. Was sie nicht brauchen, ist das Schüren von Erwartungen, die später von der Realität eingeholt werden. (M.L. / T.B.)
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