Berlin, 07. Oktober 2026
(Foto: M.L.) Die Neuordnung der Feldwebellaufbahn bleibt für viele Soldatinnen und Soldaten mit erheblichen Fragen verbunden. Der Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB) hat von Beginn an deutlich gemacht: Eine Reform darf berufliche Entwicklung nicht erschweren, zusätzliche Versetzungsnotwendigkeiten schaffen oder vorhandene Perspektiven unnötig verengen. Das gilt für die Feldwebellaufbahn insgesamt – und in besonderer Weise dort, wo hochspezialisierte Fachverwendungen betroffen sind.
Der VSB setzt sich deshalb weiterhin für möglichst breite Bündelungen und verlässliche Entwicklungsmöglichkeiten auf den Dienstposten ein. Unterschiedliche Verwendungen und Erfahrungen können für die militärische Entwicklung wertvoll sein. Sie dürfen jedoch nicht zum formalen Selbstzweck werden und insbesondere nicht dazu führen, dass Soldatinnen und Soldaten allein für ihre weitere Laufbahnentwicklung mehrfach den Dienstposten oder Standort wechseln müssen.
„Wir haben von Anfang an gesagt: Die Neuordnung muss zu den tatsächlichen Verwendungen und zu den Lebensrealitäten unserer Soldatinnen und Soldaten passen. Daran hat sich nichts geändert. Die Rückmeldungen, die uns inzwischen erreichen, zeigen vielmehr, wie wichtig diese Forderung ist“, erklärt der VSB.
Besonders deutlich wird die Herausforderung bei Fachverwendungen. Ob im Sanitätsdienst, in der Militärmusik, in technischen oder digitalen Bereichen: Berufliche Entwicklung findet dort häufig nicht primär durch einen Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten statt. Erfahrung wächst vielmehr auch durch fachliche Tiefe, zusätzliche Qualifikation, langjährige Praxis und zunehmende Verantwortung.
Ein Fachkrankenpfleger bleibt nicht deshalb fachlich stehen, weil er über Jahre in seinem Spezialgebiet eingesetzt wird. Ein Militärmusiker gewinnt nicht automatisch an militärisch relevanter Erfahrung, nur weil für seine Laufbahnentwicklung ein anderer Dienstposten erforderlich wird. Vergleichbare Fragen stellen sich auch in anderen hochspezialisierten Verwendungen.
Hinzu kommt: Die Anforderungen einer Fachverwendung können sich unter Einsatzbedingungen noch einmal deutlich verändern. Fachliche Expertise muss dann unter militärischen Rahmenbedingungen, mit hoher Eigenständigkeit und teilweise erheblicher Verantwortung eingesetzt werden. Auch diese Erfahrung muss in einer modernen Laufbahnsystematik ihren Platz haben.
Der VSB warnt deshalb davor, Verwendungsbreite zu eng über die Zahl unterschiedlicher Dienstposten oder notwendiger Versetzungen zu definieren. Entscheidend muss sein, welche Erfahrungen, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche tatsächlich erworben werden. Dabei braucht es genügend Flexibilität, um sowohl klassischen militärischen Verwendungen als auch hochspezialisierten Fachverwendungen gerecht zu werden.
Das ist nicht zuletzt eine Frage der Attraktivität. Die Bundeswehr braucht qualifiziertes Personal und steht dabei in vielen Bereichen in unmittelbarer Konkurrenz zum zivilen Arbeitsmarkt. Zusätzliche Wechsel- und Versetzungserfordernisse können dieser Personalbindung entgegenstehen – insbesondere dann, wenn ihr Nutzen für die konkrete berufliche Entwicklung nicht erkennbar ist.
Der VSB bleibt deshalb bei seiner Forderung: Entwicklung ermöglichen statt Wege verengen. Bündelungen erhalten und dort erweitern, wo sie sinnvoll sind. Verwendungsbreite nicht an Versetzungen messen, sondern an tatsächlich gewonnener Erfahrung und Verantwortung.
Eine Neuordnung der Feldwebellaufbahn muss der Vielfalt der Bundeswehr gerecht werden. Ein starres Modell für alle kann diesem Anspruch nicht genügen.
Erfahrung hat viele Wege. Die Laufbahn muss sie ermöglichen. (M.L.)
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